Warum Sie öfter auf Ihre innere Stimme hören sollten

Sie haben sicher schon mal im Beruf oder Alltag einen neuen Menschen kennengelernt, der Ihnen direkt von Anfang an unsympathisch war und bei dem Sie das Gefühl hatten, dass mit ihm “irgendetwas“ nicht stimmt. Was tun Sie normalerweise in einem solchen Fall? Sie schieben das komische Gefühl zur Seite und ignorieren es. Genauso handeln die meisten Menschen wenn es um berufliche, freundschaftliche oder partnerschaftliche Beziehungen geht. Nur weil man beim ersten Treffen einen komischen Eindruck hat, bedeutet das noch lange nicht, dass der Gegenüber ein schlechter Mensch ist. Vielleicht liegt es einfach nur an der Nervosität?

Leider sind wir Menschen Meister darin, gute Argumente gegen dieses Gefühl zu finden. Besonders dann, wenn es gegen unsere Intention geht. Im Job ist man gleich noch mehr dazu angehalten, mit seinen Kollegen professionell umzugehen. Unsicherheiten wegen einem “Gefühl” sind in unserer heutigen Arbeitswelt oft nicht erlaubt.

Ein Leben ohne Emotionen

Das Resultat: Wir leben unser Leben, ohne Rücksicht auf unsere Emotionen zu nehmen – der Leistungsgesellschaft sei Dank. Denn leider haben Emotionen immer noch – vollkommen zu Unrecht – einen schlechten Ruf. Ihnen wird nachgesagt, unsere Entscheidungen negativ zu beeinflussen, uns durcheinander zubringen und sich gegen jegliche Rationalität zu stellen.

Emotionen führen angeblich zur “Verweichlichung” bei Männern und zum “Zickenkrieg” bei Frauen. Keiner möchte so etwas. Ohne Emotionen sind wir viel besser dran, richtig?

Die innere Stimme

Falsch – zumindest in Teilen. Sicher ist es wenig sinnvoll, sich komplett von seinen Emotionen steuern zu lassen. Das kann dann ganz schnell zu neuen Problemen führen.  Rationalität ist bei der Entscheidungsfindung durchaus angebracht. Allerdings sollten wir dennoch nicht verlernen, auf unsere Stimme zu hören. Sie leitet uns in einer Weise, die schwer nachzuvollziehen ist, aber liegt dennoch oft ganz richtig, gerade wenn es um Warnungen geht.

Unser Unterbewusstsein reagiert auf vieles, dass wir gar nicht wahrnehmen. Sendet unser Gehirn also das Signal “Hey, die Person ist seltsam. Halt dich besser fern!”, sollte man diesem Gefühl durchaus nachgehen und zu einem gewissen Anteil folgen. Damit meine ich nicht, dass Sie sofort schreiend wegrennen sollen, keine Sorge. Aber nehmen Sie das Gefühl ernst und finden Sie bewusst die Ursache für Ihr “Unwohlsein” heraus.  

Menschenkenntnis

Ein Begriff, der dieses Phänomen gut erklärt, ist Menschenkenntnis. Wir alle können andere Menschen mehr oder weniger gut einschätzen. Wer darin nicht so gut ist, wird sicherlich die ein oder andere Geschichte dazu erzählen können. Eine Beziehung, die sich als Katastrophe entpuppte oder ein Kollege, der hinter dem eigenen Rücken schlecht über einen redete, nur um dann selbst die anstehende Beförderung abzusahnen.

Gerade der Bereich Zweisamkeit birgt hier viele Gefahren. Wer dazu neigt, die eigenen Emotionen zu unterdrücken und seiner Intuition, gerade im Bezug auf andere Menschen, nicht zu folgen, der läuft Gefahr, sich schnell in einer lieblosen oder vielleicht sogar von Gewalt geprägten Beziehung wiederzufinden. Wer allerdings eine gute Menschenkenntnis hat, dem fällt es leichter, solche Situationen zu vermeiden, da er sich besser auf sein Gegenüber einstellen kann und sich stärker auf seine Gefühle verlässt. Ein klarer Vorteil im Alltag.

Was kann ich tun, um meine Emotionen besser zu nutzen?

Emotionen sind zuallererst einmal Ihre eigenen Gefühle, die außer Ihnen niemand kennt. Seine Emotionen wahrzunehmen bedeutet nicht gleich, diese direkt auf der Zunge zu tragen. Hören Sie öfter in sich hinein. Was möchte Ihnen ihr (Unter-)Bewusstsein mitteilen.

Nehmen Sie die Signale wahr, wenn auch erst mal nur für sich selbst. Bei einer extrem starken Ablehnung oder einem unguten Gefühl, sollten Sie diesem nach Möglichkeit Raum geben. Ignorieren Sie es vor allem nicht.

Wenn es Ihnen eine Hilfe ist, notieren Sie sich ruhig einen Eindruck oder Situationen, die bestimmte Emotionen in Ihnen hervorrufen. Das ist der erste Schritt, um im Alltag mehr auf die eigene innere Stimme zu hören. In diesem Sinne: Mehr Macht den Emotionen!